Geschichte der Gemeinwohl-Ökonomie

BISHERIGER PROZESS

300 V. CHR.: GRIECHISCHE PHILOSOPHIE
Platon schreibt in der „Politeia“: „Das Gemeinwohl stellt dabei die Funktion und das Ziel der politischen Gemeinschaft dar, in ihm verwirklichen sich die Bedürfnisse, die Interessen und das Glück aller Bürger durch ein tugendhaftes und gerechtes Leben.“

106-43 V. CHR. CICERO
„Das Wohl des Volkes soll oberstes Gesetz sein.“ (De legibus III, 3, 8)

13. JHDT.: CHRISTLICHE SOZIALETHIK
Thomas v. Aquin prägt das Wort „bonum commune“: Gemeinwohl. Seither spielt es auch in der christlichen Soziallehre eine zentrale Rolle.

1712 – 1778: JEAN-JACQUES ROUSSEAU
Rousseau führte in seinem Hauptwerk „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“ aus, dass die alleinige Grundlage legitimer politischer Macht nur der Gemeinwille sein kann, der immer das Gemeinwohl anstrebt.

1946: BAYRISCHE VERFASSUNG
Die Verfassung Bayerns gibt in Art. 151 als Ziel vor: „Alle wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“

2001: „GEMEINWOHL-ÖKONOMIE“
Joachim Sikora aus Bonn, entwirft gemeinsam mit Günter Hoffmann „Visionen einer Gemeinwohl-Ökonomie“ auf Basis von Regiogeld, Schwundgebühr, leistungsorientiertem Grundeinkommen und Bodenreform. Hier geht es zur Website von Joachim Sikora.

2006: „50 VORSCHLÄGE FÜR EINE GERECHTERE WELT“
In einem Standardwerk der globalisierungskritischen Literatur (8. Auflage) unterbreitete Christian Felber konkrete Maßnahmen, wie die globale Wirtschaft humaner, ökologischer, demokratischer gestaltet werden könnte. Inhaltlich gab es wenig Widerspruch, doch auf der Werte-Ebene wurde gefragt, ob die Vorschläge nicht gegen „Effizienz“, „Wachstum“, „Gewinn“, „Erfolg“, „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Freiheit“ gerichtet seien.

2008: „NEUE WERTE FÜR DIE WIRTSCHAFT“
Die Antwort auf diese Fragen war ein neues Buch, in dem die „Schlagwerte“ des Marktes durchleuchtet und zerlegt („dekonstruiert“) werden. Nach dem Abschälen des ideologischen Ballastes lag bei der Zusammenschau der Bedeutungskerne die Grobskizze einer neuen Wirtschaftsordnung vor, die im Schlusskapitel des Buches publiziert wurde.

2008: ATTAC-UNTERNEHMERINNEN-GRUPPE
Auf das Buch „Neue Werte für die Wirtschaft“ meldete sich rund ein Dutzend UnternehmerInnen, die sich von der Alternative angezogen fühlten und anboten, a) die Grobskizze zu verfeinern und b) sich gemeinsam für die Umsetzung einzusetzen. Fast zwei Jahre brütete die Gruppe über dem Modell, bis im August 2010 die „Gemeinwohl-Ökonomie“ „zur Welt kam“.

MAI 2010: GRÜNDUNG ENERGIEFELDER
In Wien wird im Mai 2010 das erste Energiefeld gegründet. Im Verlauf der nächsten Monate entstehen in Österreich, Deutschland, Italien und später in der Schweiz viele weitere Energiefelder, wo sich GWÖ-Interessierte lokal zusammen finden, um gemeinsam die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie zu vertiefen, zu verbreiten und weiter zu entwickeln.

AUGUST 2010: BUCH
Das Buch erscheint beim Wiener Verlag Deuticke. 70 Unternehmen traten als Erstunterzeichner im Anhang des Buches auf. Ursprüngliches Ziel war es, 30 bis 50 Erstunterzeichnende zu finden.

6. OKTOBER 2010: SYMPOSIUM
Die Attac-UnternehmerInnen gehen erstmals an die Öffentlichkeit und organisieren das Symposium „Unternehmen neu denken“. Wir wollten in einer ersten „Kreiserweiterung“ testen, wie aufgeschlossene und vorausdenkende Unternehmen auf die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie ansprechen. Anstatt der 50 erhofften Gäste kamen 100. Zu einer Pioniergruppe meldeten sich über 20 Unternehmen. Der „Gesamtprozess GemeinwohlÖkonomie“ begann.

31. DEZEMBER 2010
Die Zahl der mitmachenden Unternehmen wuchs rasch an: 150 Unternehmen trugen sich als Unterstützende bis Jahresende 2010 ein; die Zahl der PionierInnen stieg auf 50. In zahlreichen Regionen entstanden erste „Energiefelder“ von engagierten Personen, die sich für die Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie einsetzen.

21. JANUAR 2011: MATRIX 2.0
Die Pionier-Unternehmen wurden um ihr erstes Feedback auf die Matrix 1.0, die im Buch publizierte Version, gefragt. Ein Redaktionsteam sammelte die Rückmeldungen und erstellte bis Ende Januar die Version 2.0. Ein Fahrplan zeichnete sich ab: Version 3.0 soll zu Sommerbeginn fertig sein und die für 2011 zu erstellende Bilanz sein. Danach Feedback und Erstellung der Bilanz 4.0 für das „Bilanzjahr II“: 2012.

9. FEBRUAR 2011: VEREIN
Bei einem Treffen von Attac-UnternehmerInnen und neu Hinzugekommenen wurde die weitere Strategie beraten und beschlossen: die Gemeinwohl-Ökonomie wird „selbständig“. Ein Förderverein soll die vielfältigen „Stränge“ im „Gesamtprozess Gemeinwohl-Ökonomie“ koordinieren: UnterstützerInnen, PionierInnen, BeraterInnen, AuditorInnen, Redaktionsteam, Energiefelder, Verein. Hier ist ein Foto von diesem Treffen.

18. FEBRUAR 2011: PIONIERINNEN
Kurze Zeit später treffen sich die PionierInnen und tauschen erste Erfahrungen aus. Gemeinsam erstellen sie einen Fahrplan bis zur Gemeinwohl-Bilanz-Pressekonferenz im Oktober.

FEBRUAR 2011: BERATERINNEN
Aus dem Kreis der Attac-UnternehmerInnen bildet sich die Plattform der GemeinwohlÖkonomie-BeraterInnen. Sie wollen die Pionier-Unternehmen im gesamten Prozess begleiten, einen zertifizierten Beruf kreieren sowie eine Gemeinwohl-Akademie aufbauen.

24. MÄRZ 2011: BILANZ IST FERTIG
Eine erste Rechentabelle für die Bilanz wird angefertigt, die seither laufend upgedatet wird und in der jeweils aktuellsten Form unter DOWNLOADS verfügbar ist.

6. APRIL 2011: ÉCONOMIE CITOYENNE
Beim Pariser Verlag „Actes Sud“, der auch Joseph Stiglitz und Naomi Klein nach Frankreich brachte, erscheint die französische Ausgabe der Gemeinwohl-Ökonomie: „L'Économie citoyenne“. Das Buch wird in der Folge auch auf Spanisch und Italienisch publiziert. Die Übersetzung ins Englische ist geplant.

19. APRIL 2011: DIE ERSTEN 10.000
Der Verlag Deuticke meldet: 10.000 Exemplare sind verkauft. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist in der 5. Auflage. Eine vollständige Neufassung für das Frühjahr 2012 wird geplant.

27. APRIL 2011: ORGANISATIONSKOORDINATORIN
Dank der großzügigen Beiträge von 15 Unternehmen konnte eine Organisationskoordinatorin hauptamtlich angestellt werden, die viel Energie, Klarheit, Ordnung und Unterstützung in den Gesamtprozess bringt.

MAI 2011: VORARLBERG – SALZBURG – NRW
Anfang Mai tourt Christian Felber durch die Lande. In Vorarlberg zeigen zahlreiche Unternehmen im Rahmen der „Tage der Utopie“ Interesse am Einstieg in den Prozess der Gemeinwohl-Ökonomie, einige Personen nehmen die Koordination in die Hand. In Salzburg findet ein erstes UnternehmerInnen-Treffen im Hotel Auersperg statt; auch hier werden weitere Treffen vereinbart. Ebenso in Köln, wo sich ad hoc ein Startkreis von Unternehmen bildet und trifft.

18. MAI 2011: ERSTE BILANZEN
In einem weiteren PionierInnen-Treffen bringen die mittlerweile auf 70 angewachsenen PionierInnen ihre ersten Bilanzen mit. Tenor: 50 Gemeinwohl-Kriterien sind für das erste Jahr zu viele: Wir wollen lieber reduzieren und langsamer starten von Jahr zu Jahr ein Schäuflein zulegen.

30. JUNI 2011: BILANZ 3.0
Als Folge dieser Rückmeldungen reduziert das Redaktionsteam in mehrwöchiger engagierter Tätigkeit die Bilanz auf 18 Kriterien. Zu jedem Kriterium gibt es ein einseitiges Factsheet und einen längeren Eintrag im Handbuch. Die Bilanz 3.0 gilt für das erste Bilanz-Jahr 2011. Factsheets und Handbuch werden laufend aktualisiert.

13.-17. JULI 2011: ATTACADEMIE
Auf der Sommerakademie von Attac Österreich veranstaltet die Gemeinwohl-Ökonomie ein 3-teiliges Seminar: Grundsatzfragen (Werte, Prinzipien), Anwendungsfragen (Bilanz), Strategiefragen (Prozess, Demokratie).

14. SEPTEMBER 2011: KONTROLLE MUSS SEIN
Vor der Veröffentlichung der ersten Bilanzen werden diese extern geprüft. Im Bilanzjahr I „nur“ von anderen Pionier-Unternehmen als auch von BeraterInnen (insbesondere Unternehmen mit Ergebnissen über 600 Punkten). Später werden die Gemeinwohl-AuditorInnen diese Aufgabe übernehmen.

6. OKTOBER 2011: BILANZ-PRESSEKONFERENZ
Am 1. Geburtstag des Gesamtprozesses Gemeinwohl-Ökonomie werden im Rahmen der „1. Internationalen Gemeinwohl-Bilanz-Pressekonferenz“ 55 Unternehmen in sieben dezentralen Pressekonferenzen ihre ersten Bilanzen vor. Die Bewegung zeigt sich erstmals an der Öffentlichkeit. Die Medienresonanz reichte bis zum SPIEGEL und zur Repubblica.

31. DEZEMBER 2011: BILANZ 4.0
Die Pressekonferenz führt zu einem 2. Erweiterungskreis und löst eine neue Feedback-Welle aus. Diese wird vom Redaktionsteam „aufgefangen“ und in die Matrix/Bilanz eingearbeitet. Die Version 4.0 gilt dann für das Bilanzjahr II: 2012.

FEBRUAR 2012: SPANIEN
Zum ersten Mal reist ein Team nach Spanien, um das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie in mehreren öffentlichen Veranstaltungen vorzustellen. Ein 13-minütiges Video von attactv, das bei der Attac- Sommerakademie 2011 in Freiburg aufgenommen wurde, hatte sich im Internet rasant verbreitet und zu mehreren Einladungen nach Spanien geführt. Ab jetzt geht es im 2-Monat-Rhythmus nach Iberien...

JULI 2012: DAS „KLEID“
Bei einer Klausur des erweiterten Koordinierungskreises in Wien webt sich die wachsende Bewegung ein neues „Kleid“, d.h. eine passende Struktur. Der Startschuss für die Internationalisierung ist gegeben.

6./7. OKTOBER 2012: GENERALVERSAMMLUNG
Auf der ersten ordentliche Generalversammlung des Vereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie wird auch schon wieder seine Ablöse durch einen internationalen Verband beschlossen und der Koordinierungs- Kreis mit der Umsetzung der Vorbereitungen beauftragt. Der Grundstein für eine „Delegiertenversammlung“ wird gelegt, die das „Parlament“ der internationalen Bewegung werden soll.

JANUAR 2013: ITALIENISCHER VEREIN
Als erster „nationaler“ Verein nach dem österreichischen Mutterverein wird der italienische Verein gegründet.

MÄRZ 2013: WACHSENDE BEWEGUNG
Drei Jahre nach der Gründung des ersten Energiefeldes sind über 80 Energiefelder gesprossen. Der erste Vortrag zur Gemeinwohl-Ökonomie in Amerika wird organisiert.

7./8. MÄRZ 2013: 1. DELEGIERTENVERSAMMLUNG
In Innsbruck treffen rund 45 Delegierte aus Spanien, Italien, der Schweiz, Deutschland und Österreich zusammen, um den Aufbau des internationalen Verbandes weiter voranzutreiben
und eine arbeitsfähige Struktur zu entwickeln.

APRIL 2013: GEMEINDEN AN BORD
Im Vintschgau in Südtirol entsteht die erste „Gemeinwohl-Region“. Vorerst ist es ein Zusammenschluss aus vier Gemeinen, die mit der Bilanz-Erstellung beginnen.

24. APRIL 2013: 2. PRESSEKONFERENZ
Die „2. Internationale Gemeinwohl-Bilanz-Pressekonferenz“ wird in mehreren Städten Österreichs, Italiens, Deutschlands und der Schweiz abgehalten.

26.-28. APRIL 2013: ZUKUNFTSKONFERENZ
Auf einer dreitägigen Zukunftskonferenz werden 120 Aktive der GWÖ-Bewegung gemeinsam Vision, Mission und die Strategie zur Förderung einer Gemeinwohl-Ökonomie diskutieren und abstimmen.

31. MAI/1. JUNI 2013: 2. GENERALVERSAMMLUNG
Bei der 2. Generalversammlung des österreichischen Vereins wurde das neu gewählte Internationale Koordinierungsteam mit der Gründung des internationalen Verbandes betraut.

 

AUSSICHTEN

2013 – 2015 (Heute): KONSOLIDIERUNG DER FUNDAMENTE
Die Rückmeldungen zu den Kernelementen der GWÖ sind bereits sehr zahlreich. Oft kommt die Empfehlung, langsam zu gehen und auf die Qualität zu achten. Die nächsten drei Jahre könnten dieser Empfehlung folgen:
Matrix, Bilanz, Beratung, Audit und Energiefelder sollen stark verbessert und teilweise professionalisiert werden.

2018/19: IN RICHTUNG KONVENTE
Vielleicht gelingt ein Wirtschaftsverfassungsprozess bis zum 100. Jahrestag des In-Kraft-Tretens der deutschen/österreichischen Verfassungen.


Stand: 12. September 2013