Gemeinwohl-Gemeinde/-Region werden

Was ist eine Gemeinwohl-Gemeinde?

Eine Gemeinde wird zur Gemeinwohl-Gemeinde, indem sie den Gesamtprozess Gemeinwohl-Ökonomie per Gemeinderatsbeschluss unterstützt und mindestens eine der fünf unten aufgelisteten Aktivitäten unterstützt. Sie trägt sich auf der Website des „Vereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ als als Unterstützer-Gemeinde ein. Der „Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ hilft bei der Vorbereitung des Gemeinderatsbeschlusses. Das Engagement der Gemeinde kann durch eigene Ideen und Initiativen ergänzt und verstärkt werden kann. Für jede der folgenden Aktivitäten gibt es ein „Löwenzahn-Sämchen“ (das Logo der Bewegung). Wie bei Hotels oder Pensionen können ein bis fünf Sämchen erreicht werden:

Bilanzerstellung

im eigenen Verwaltungs- und Wirtschaftsteil der Gemeinde, in den gemeindeeigenen Betrieben und Unternehmen und deren Veröffentlichung. In späterer Folge könnte das erzielte Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnis Auswirkung haben auf die (EU-)Gemeindeförderungen und auf den Finanzausgleich: Wenn eine Gemeinde viel für Mensch und Natur tut, soll sie auch entsprechende Erleichterungen gegenüber jenen Gemeinden genießen, die geringere Anstrengungen unternehmen. Zur Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz für die Gemeinde bzw. die Region wurde ein speziell für Gemeinden eine eigene Matrix inkl. Handbuch ausgearbeitet. Die beiden Dokumente stehen hier zum Download zur Verfügung:

Handbuch zur Gemeinwohl-Bilanz für Gemeinden und Regionen >>

Gemeinwohl-Matrix für Gemeinden, Version 1.0 (November 2015) >>
 

Einladung an alle Unternehmen,

die in der Gemeinde ansässig und tätig sind, die Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen, macht diese „Pioniergruppe“ sichtbar und fördert sie nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten. Das reicht von einer jährlichen Feier zur Ehrung der Gemeinwohl-Unternehmen unter Sichtbarmachung besonderer Leistungen und inhaltlicher Diskussion gesellschaftpolitischer Grundlagen bis zum Vorrang für Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnissen im öffentlichen Auftrag und Einkauf. In einigen Regionen wurden Gruppen von Pionier-Unternehmen von BeraterInnen und AuditorInnen umfassend begleitet, von der Erst-Information über die Gemeinwohl-Ökonomie bis zur ersten auditierten Bilanz. Diese moderierten Gruppen könnten von der Gemeinde gefördert werden. Dieser Prozess mit kommunalen Unternehmen lässt sich auch gut in andere Prozesse, z.B. in einen LA 21- oder Regionalentwicklungsprozess, integrieren.

„Kommunaler Gemeinwohl-Index“,

Förderung der Erstellung eines kommunalen Gemeinwohl-Index, einem Lebensqualitätsindex für Gemeinden, der sich auf der „Mesoebene“ zwischen Gemeinwohlprodukt (Volkswirtschaft) und Gemeinwohl-Bilanz (Unternehmen) befindet. Der Index setzt sich aus den 20 wichtigsten Lebensqualitätsfaktoren zusammen, die in einem BürgerInnnbeteiligungsverfahren ermittelt werden. Der fertige Index könnte einmal jährlich in einer Umfrage an die Haushalte ermittelt oder gemessen werden. Im Unterschied zum Gemeinwohl-Produkt, das zumindest EU-weit einheitlich sein sollte, könnten die Gemeinwohl-Index von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein (obwohl das eher unwahrscheinlich ist). Ziel ist nicht, dass eine Gemeinde „besser“ ist als eine andere, sondern dass sich eine Gemeinde in den ihr wichtigen Lebensqualitätsfaktoren verbessern möchte. Daran müssen sich die politischen Maßnahmen messen lassen.

  „Kommunaler Wirtschaftskonvent“.

Ermöglichung und Förderung eines Kommunalen Wirtschaftskonvents. In diesem ermitteln interessierte BürgerInnen die 20 wichtigsten Spielregeln, die das Wirtschafts-Geschehen rechtlich steuern sollen, teils auf kommunaler, teils auf Bundes- oder EU-Ebene. Sie könnten sich im Zeitraum eines Jahres zweimonatlich treffen, z.B.
 a) zum Kennenlernen und Vorstellen des Settings
 b) zur Ermittlung der zehn bis 20 Fragestellungen
 c) zur Herbeischaffung der Recherchen
 d) zur Feindiskussion
 e) zur Abstimmung (nach der SK-Methode)
 f) zur Nachbereitung und Beratung der weiteren Schritte (z. B. Einladung weiterer Gemeinden, Forderung eines bundesweiten oder EU-Konvents).
 Das „Prozessdesign für einen Kommunalen Wirtschaftskonvent“ wird gerade von einem Redaktionsteam im Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie ausgearbeitet. Aus dem Abhalten zahlreicher kommunaler Wirtschaftskonvente wird die Energie für einen bundesweiten oder EU-Wirtschaftskonvent entstehen.

Zusammenschluss zu einer „Gemeinwohl-Region“:

eines Landkreises, Bezirks, Viertels oder Bundeslandes (z. B. Mühlviertel, Vintschgau, Allgäu, Thurgau), der sich zum Ziel setzt, möglichst viele Gemeinden zu Gemeinwohl-Gemeinden zu machen und die Prozesse für Unternehmen regional zu steuern und zu fördern. Eine Gemeinwohl-Region kann - zusammen mit Gemeinwohl-Gemeinden - das jeweilige Bundesland auffordern, zu einem „Gemeinwohl-Land“ zu werden….

 

Wie viele Gemeinwohl-Gemeinden gibt es?

In den vier Gemeinden Mals, Laas, Latsch und Schlanders im Vinschgau (Südtirol) sowie in Miranda de Azán nahe Salamanca in Spanien beschlossen die jeweiligen Gemeinderäte, das Projekt Gemeinwohl-Gemeinde zu starten. Für das Bundesland Salzburg liegt ein Gutachten für eine Gemeinwohl-Modellregion vor, und die Gemeinden Weiz (Steiermark), Haag und Pfaffenhofen/Ilm (Bayern), Hamm (Rheinland-Pfalz), Mannheim, Muro de Alcoi bei Alicante und Dornach in der Schweiz haben ernsthaftes Interesse am Projekt Gemeinwohl-Ökonomie geäußert.
 

Interesse?

E-Mail an gemeinde [ at ] gemeinwohl-oekonomie.org (Bernhard Oberrauch)